Werk Dossaccio

Unter allen österreich-ungarischen Befestigungsanlagen in Tirol zeichnet sich das Werk Dossaccio durch einen Rekord aus: Es ist dies die ungewöhnlich lange Bauphase. Sie dauerte 14 Jahre, von 1886 bis 1900, und als das Werk schließlich in Dienst gestellt wurde, galt es – wie alle im Vogl-Stil errichteten Bauwerke – aus baulicher Sicht als veraltet. Die Ursachen für die Verzögerung waren vielfältig: die Abgeschiedenheit des Ortes, die langen Winterpausen, bürokratische Hindernisse aber vor allem das begrenzte Jahresbudget.
Der Standort,  der das Travignolo-Tal und Straße beherrscht, die  über den Rolle-Pass ins Fleimstal/Val di Fiemme führte, war bereits im Sommer 1866 Schauplatz von Feldbefestigungsarbeiten gewesen, als der Vormarsch der Truppen des italienischen Generals Medici in der Valsugana die Befürchtung weckte, feindliche Einheiten könnten über das Fleimstal bzw. Fassatal in Richtung Bozen vordringen. Es wurde daher der Hauptmann Othmar Crusiz mit der Errichtung einer Verteidigungslinie zwischen dem Manghen-Pass und dem San-Pellegrino-Pass beauftragt. Einer der Stützpunkte wurde auf dem Dossaccio-Hügel ausgewählt, wo unter der Leitung von Leutnant Edmund von Maier eine Stellung für zwei Artilleriegeschütze errichtet wurde. Nach Beendigung der militärischen Operationen wurde die Batterie umgehend abgerissen.

Geniedirektion: Trient
Taktische Aufgabe
Tactical role
Sperrung des Val Travignolo und der Verkehrswege, die vom Passo Valles und von Primiero herführten
Blocking of the Val Travignolo and of the routes via the Valles Pass and the Primiero region
Bauperiode
Construction periode
1886 – 1900
Aufhebung der Sperre
Abolishment as fortification
16. Juni 1915
Kriegs-Besatzung
War time garrison
5 Offiziere/officers,
255 Mann/NCO & soldiers
Armierung (1914)
Armament (1914)
4 – 12 cm M80 Kanonen /  cannons
4 – 10 cm M06 Panzerhaubitzen / Armoured howitzers

12- 8 mm M93 Maschinengewehre / machine guns
1 – 90 cm Azethylenscheinwerfer/
acetylene gas search lights
2 – 21cm Azethylenscheinwerfer/
acetylene gas search light
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Das Gebiet des Fleims- und Fassatals wurde erst zu Beginn der 1880er Jahre in die regionalen Befestigungspläne einbezogen. Die Aufgabe, die zu befestigenden Stellen zu ermitteln, wurde speziellen Kommissionen übertragen, in denen der damalige Genie-Chef  Julius Vogl eine führende Rolle spielte. In seiner „Denkschrift über die Landesbefestigung Tyrols“ (1881) schlug er zunächst den Bau einer Sperranlage in S. Silvestro im Primiero vor. Doch schon bald zwang der Bau der Straße über den Cereda-Pass zur Wahl eines weiter zurückgelegenen Sperrpunktes im Val Travignolo.

Im Jahr 1883 schlug Vogl den Bau eines gepanzerten Werkes auf dem Hügel Dossaccio, sowie einer Straßensperre bei „Al Buso“ vor. Aus finanziellen Gründen – ein Großteil der Mittel floss damals in die Baustellen in Judikarien, im Valsugana und in den Dolomitentälern – begannen die Einleitungsarbeiten erst 1886 unter der Leitung von Hauptmann Franz Scholz. Dieser Offizier, der gleichzeitig auch auf der Baustelle des Werkes Colle delle Benne tätig war, arbeitete den Entwurf für Dossaccio aus.

Das gesamte von der Baustelle betroffene Gebiet lag innerhalb staatlicher Wälder, für die sehr strenge Schutzvorschriften und Auflagen galten. Daher musste eine – nicht immer einfache – Zusammenarbeit mit der k.k. Forst-Dömanen-Verwaltung aufgebaut werden.
Die Armierungsstraße, die Wasserversorgungsanlage und die Seilbahn der Einleitungarbeiten wurden im Frühjahr 1890 fertiggestellt. Daraufhin begannen die Bauarbeiten am Werk selbst: Nach dem Entwurf von Scholz sollte es sich um einen kompakten Bau mit viereckigem Grundriss handeln, der talwärts leicht konvex gebogen und vollständig von einem Graben umgeben war. Für die Nahverteidigung waren zwei halbkreisförmige Maschinengewehrkasematten vorgesehen (eine links vom Eingang, die andere an der linken Flanke der Festung), die die beiden Seiten des Grabens überwachten. Die 12cm Minimalschartenkanonen waren in Kasematten eingestellt, die durch Granitblöcke und Panzerungen geschützt waren; die vier 15-cm-Mörsern M. 80 standen in drehbaren Panzerkuppeln. Das Werk weist zudem einen erhöhten Innenhof und eine talwärts vorgelagerte Nahkampfanlage auf, die über eine lange gemauerte Poterne mit dem Hauptbau verbunden war. Die Nahkampanlage war mit einer festen Maschinengewehrstellung und einer drehbaren Beobachtungskuppel ausgestattet.

Die Maurerarbeiten wurden im Oktober 1895 abgeschlossen und die Innenausbauarbeiten ein Jahr später. Dennoch konnte das Werk noch nicht in Betrieb genommen werden, da die beiden Beobachtungskuppeln, die gepanzerte Stellung für die Scheinwerfer der Nahkampfanlage und vor allem die Stromerzeugungsanlage für die Beleuchtung der Innenräume und des umliegenden Geländes fehlten.  Die Beobachtungskuppeln wurden erst 1898 installiert; dann folgte die Anlage für die elektrische Innen- und Außenbeleuchtung, die im Mai 1900 unter der Leitung von Hauptmann Moritz von Lempruch fertiggestellt wurde. Das Werk Dossaccio wurde im September 1900 von der Geniedirektion Trient offiziell an das  14. Korpskommando in Innsbruck übergeben. Die Baukosten beliefen sich auf über 300.000 Gulden.

In den folgenden Jahren wurden einige Verbesserungsmaßnahmen durchgeführt: der Einbau eines Brotbackofens und der Bau einer Zisterne zur Kühlung der Maschinen der Stromerzeugungsanlage im Jahr 1904, zwei Jahre später der Austausch der 15cm-Mörser durch 10cm-Haubitzen sowie die Tarnbemalung des Werkes mit Ölfarben (grau-grün), und schließlich 1912 der Bau eines zweiten Regenwasserauffangbeckens im Innenhof.

Zu jener Zeit war bereits klar, dass das Werk dem Beschuss durch moderne Belagerungsartillerie nicht standhalten konnte. Mit Ausbruch des Krieges 1914 wurden die Werke in Tirol in Verteidigungsbereitschaft versetzt. Im Jänner 1915 begannen die Vorbereitungen für die Desarmierung der Artillerie außerhalb des Werkes. Die neuen Stellungen wurden auf einer Anhöhe 150 Meter nördlich des Werkes plaziert, die gute Verteidigungsmöglichkeiten gegen Infanterieangriffe bot und teilweise den Blicken des Feindes entzogen war. Die Bohrarbeiten für die Verbindungsstollen und die Schächte zur Installation der Kuppeln begannen im April und wurden im August abgeschlossen. Auf dem Dach des Werkes wurden über den ehemaligen Geschützbrunnen Scheinkuppeln aus Beton errichtet, die jeweils mit „hölzernen Scheingeschützen“  ausgestattet waren.

Ebenso wurden die 12cm Kasemattkanonen in Feldstellungen des Sektors verlegt. Der Gipfel des Dossaccio-Hügels war in ein ausgedehntes Befestigungssystem umgewandelt worden. Am 16. Juni 1915 wurde die Sperre Paneveggio aufgelöst und das Werk Dossaccio zu einem mit einigen Maschinengewehren ausgestatteten „Stützpunkt“ herabgestuft. Am 13. September 1915 befanden sich im „Werk“ Dossaccio ein Offizier und 99 Soldaten. Ende Dezember wurde das „Werk“ von Standschützen des Bataillons „Rankweil“ besetzt.
Das Werk war nie in nennenswerte unmittelbare Kampfhandlungen verwickelt. Im Fernkampf eröffneten seine Haubitzen am 18. Juni 1915 das Feuer auf italienische Infanteriekolonnen und sorgten damit für Verwirrung in deren Reihen. Die Kuppe des Dossaccio wurde von den auf dem Passo del Valles positionierten italienischen 210- und 280mm-Kanonen schwer beschossen, ohne dass das Werk nennenswerte Schäden bis Kriegsende davontrug. Nach 1918 verfiel das Werk völlig.
(weitere detailierte Informationen im Buch: „K.u.K. Werk Dossaccio“ von Nicola Fontana)

English summary:
Fort Dossaccio is one of the most significant Austro-Hungarian fortifications in Tyrol because of its exceptionally long construction period, which lasted 14 years (1886–1900). The prolonged building process resulted from the remote location, harsh climatic conditions, bureaucratic delays, and, above all, limited financial resources available to the military administration. The strategically important site overlooking the Travignolo Valley had already been fortified with field works in 1866 and was selected in the early 1880s as a permanent defensive position within the Tyrolean fortification programme under the direction of Chief Engineer General Julius Vogl.

Designed by Captain Franz Scholz, the armoured fort was equipped with modern armoured turrets, casemate guns, machine-gun positions, and an advanced electric lighting system. Following its completion in 1900, several improvements were carried out, including the replacement of the original mortars with 10 cm howitzers and the installation of additional technical equipment. Nevertheless, rapid advances in siege artillery meant that the fort had already become technologically obsolete before the outbreak of the First World War.

With the outbreak of the war in 1914, Fort Dossaccio was placed on a state of combat readiness. In 1915, its main armament was transferred to better-protected field positions, while the fort itself was camouflaged with dummy armoured turrets. Thereafter, Dossaccio served only as a machine-gun strongpoint. Although its howitzers were successfully employed against advancing Italian troops during the opening phase of the campaign, the fort was never involved in major direct combat. Despite repeated bombardment by heavy Italian artillery, it survived the war largely undamaged. After the end of the First World War, the fort was abandoned and gradually fell into ruin.
(ulteriori informazioni dettagliate nel libro: “K.u.K. Werk Dossaccio” di Nicola Fontana)

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