Geniedirektion Trient / Trento Eingineer’s Directorate

Die k. und k. Geniedirektion in Trient wurde durch kaiserliche Verordnung vom 14. Mai 1861 errichtet. Sie löste die Befestigungs-Bau-Direktion ab, die seit Ende 1859 für die Planung und den Bau der Talsperren an der Westgrenze des Habsburgerreiches zum Königreich Sardinien (Gomagoi, Strino, Lardaro, etc.) zuständig war. Der erste Sitz befand sich in der Piazza d’Armi Nr. 125 (heute Piazza Venezia), doch ab den 1880er Jahren ließ sich die Direktion dauerhaft im Palazzo Pretorio an der Piazza Duomo nieder. Im Jahr 1861 wurde sie der Genieinspektion des Generalkommandos in Verona unterstellt. Nach der Abtretung Venetiens an das Königreich Italien im Jahr 1866 wurden die Geniedirektionen in Trient und Franzensfeste dem Landesverteidigungskommando für Tirol in Innsbruck unterstellt.

Als das Kriegsministerium den Auftrag erteilte, ein Befestigungskonzept für Südtirol vorzubereiten, um die neue Grenze zum Königreich Italien zu schützen, wurde die Aufgabe im Januar 1867 zwischen der Geniedirektion in Franzensfeste (für den zu befestigenden Raum Brixen), der Geniedirektion in Trient (für die Verstärkung der Sperren von Nago, Lardaro und Strino, Projekte für neue Werke in der Judikarien, im Ledrotal und im Etschtal), und der Befestigungs-Bau-Direktion von Trient verteilt. Letztere wurde am 14. Februar 1867 gegründet und hatte die Aufgabe, die technischen und administrativen Tätigkeiten der beiden Geniedirektionen zu koordinieren, aber auch selbständig Baupläne für den Festungsgürtel von Trient und die Sperre Podestagno (Peutelstein) zwischen Toblach und Cortina d’Ampezzo zu erstellen.
Nach Inkrafttreten der Reform der territorialen Militärkommandos wurde die Befestigungs-Bau-Direktion in Trient durch Ministerialerlass vom 27. Jänner 1869 direkt dem Kriegsministerium unterstellt. Doch schon im August 1870, nach einer neuerlichen Reorganisation war die Befestigungs-Bau-Direktion der Befestigungsbau-Direktion des Reiches in Wien unterstellt.
Diese komplexe Kommandostruktur blieb jedoch nicht lange bestehen, denn wirtschaftliche Gründe, vor allem aber das verstärkte Interesse der militärischen Zentralbehörden in Wien an der Grenze zu Russland, führten dazu, dass die Befestigungspläne für Tirol vorübergehend aufgegeben wurden. In der Folge wurden zunächst die Befestigungsbau-Direktion des Reiches in Wien (31. Oktober 1871) und dann jene von Trient (1. Januar 1872) aufgehoben. Diese Maßnahmen bedeuteten einerseits den Bedeutungsverlust der Genie-Kommandos in der Region und andererseits die Neudefinition ihrer hierarchischen Verhältnisse gegenüber dem Militärkommando in Innsbruck.

Die dem Genie-Chef in Innsbruck unterstellten Geniedirektionen in Trient und Franzensfeste blieben also einsatzfähig. Da keine neuen Festungsbauten geplant waren, beschränkte sich das Arbeitsprogramm auf die Überwachung und gewöhnliche Instandhaltung der bestehenden Befestigungen. In der Zwischenzeit (1871) wurden die Aufgaben der administrativen Verwaltung und Kontrolle der militärischen Bauten und Einrichtungen der MilitärBaudirektion mit Sitz in Innsbruck übertragen, zu der später noch eine Zweigstelle in Trient hinzukam. Mit der Verordnung vom 1. März 1875 wurde beschlossen, die Geniedirektion Franzensfeste aufzuheben und ihre Aufgaben der Geniedirektion in Trient zu übertragen.
Die besondere Bedeutung, die in dieser Phase der Sperrung der östlichen Pässe zukam, und die große Entfernung zwischen diesen und Trient machten die Einrichtung der Geniedirektion Brixen ab dem 1. Januar 1883 erforderlich.  Sie war neben der Sperre Nauders für das gesamte Gebiet der heutigen Provinz Bozen zuständig.

In Anbetracht des Umfangs der Festungsprogramme und der Komplexität der zu bewältigenden Projektprobleme wurde der Posten des Genie-Chef des Militärkommando in Innsbruck mit besonderen Aufgaben betraut, um die Aktivitäten der Geniedirektion zu koordinieren (Juli 1881). Nach der Reform der territorialen Militärkommandos im Jahr 1882 wurde der Posten des Genie-Chef durch den des Befestigungsbau-Direktors ersetzt, als internes Amt des 14. Korpskommandos in Innsbruck.

Der Personalstand wurde zwischen den 1880er und 1890er Jahren erheblich aufgestockt – 1893 zählte die Geniedirektion in Trient 7 Offiziere, 5 Buchhalter, 7 Sachbearbeiter, 6 Unteroffiziere und 17 Soldaten. Aber auch die zu erledigenden Aufgaben vermehrteb sich.  Darüber hinaus wurde der Posten des Militär-Bau-Aufsehers an einigen Grenzsperren dauerhaft eingerichtet und mit dem Vorschlag und der Durchführung von gewöhnlichen Instandhaltungsarbeiten betraut.
Im Jahr 1897 war die Geniedirektion in Trient die drittgrößte in der Monarchie, sowohl was die Größe ihres Territoriums als auch die ihres Personals betraf. Nach dem Ende der Bauperiode der „Ära Vogl“ wurde der Personalbestand der Trienter Geniedirektion im Jahr 1900 wieder deutlich reduziert. Erst 1904, nach der Eröffnung der Baustellen des Werkes Garda und der Ponale-Strassensperre, bewilligte das Kriegsministerium eine neuerliche Aufstockung des Personals, das auf zehn Offiziere, einen pensionierten Major als Archivar, vier Buchhalter und zehn Baumeister anwuchs.

Auf Grund der vom Chef des Generalstabs Franz Conrad von Hötzendorf ab 1908 vorangetriebenen Befestigungsarbeiten in Tirol reichte das Personal bald nicht mehr aus. Der Personalstand der Geniedirektion in Trient wuchs so stark an, dass sie zur größten und wichtigsten Dienststelle der Monarchie wurde (1913 waren 14 Offiziere zugewiesen). Trotzdem beschloss das Kriegsministerium, die Leitung der Befestigungsarbeiten in Judikarien, in der Festung Riva, im Etschtal und in Vallarsa einer neuen Geniedirektion zu übertragen, die in Riva del Garda eingerichtet wurde (1. Januar 1908) und mit acht Offizieren des Geniestabes und weiterem Hilfspersonal besetzt war.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verschärfte das Problem zusätzlich, da sowohl ein Großteil des Personals zu Fronteinheiten versetzt wurde, als auch die militärischen Arbeiten an der Grenze zu Italien und im Umkreis der Festung Trient intensiviert wurden und die drei Tiroler Geniedirektionen gezwungen waren, Landsturm-Ingenieure auf den Baustellen einzusetzen. Im Laufe des  Krieges reduzierte sich der Aufgabenbereich für die Geniedirektionen durch die Bildung von Geniestabsgruppen, bei den an der Front stationierten Großverbänden, die den Bau der Feldbefestigungen leiteten.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 stellte die Geniedirektion in Trient ihre Tätigkeit ein.

English summary:
The k.u.k. Engineer’s Directorate in Trento was founded in 1861 and took over the responsibilities of the former Fortification Construction Directorate along the western border of the Habsburg Empire. It was initially subordinate to the General Command in Verona and, from 1866 onward, to the Territorial Defence Command for Tyrol in Innsbruck. Following the redrawing of the border with the Kingdom of Italy, it played a central role in the planning and reinforcement of Tyrolean fortifications, particularly at Nago, Lardaro, and Strino, as well as in the Giudicarie, the Ledro Valley, and the Adige Valley.

Due to financial constraints and a strategic shift of the monarchy’s military focus toward the east, the Tyrolean fortification plans were largely abandoned in the early 1870s. The Engineer Directorates in Trento and Franzensfeste remained in existence but were primarily limited to the supervision and routine maintenance of existing fortifications.

From the 1880s onward, the issue of fortifications regained importance. Organizational reforms led to closer coordination under the Chief Engineer and later under the Director of Fortification Construction of the 14th Army Corps in Innsbruck. The personnel strength of the Trento Engineer Directorate increased significantly, as did the scope of its responsibilities. By 1897, it ranked among the largest engineer directorates in the monarchy.

After a temporary reduction around 1900, staffing levels increased sharply again, especially from 1908 onward, as a result of new fortification programs in Tyrol. At the same time, a separate Engineer Directorate was established in Riva del Garda in 1908 in order to distribute the workload.

With the outbreak of the First World War, organizational problems intensified: the transfer of personnel to front-line units, intensive construction activity along the Italian border, and the deployment of Landsturm engineers characterized this period. Over the course of the war, the engineer directorates lost importance due to the formation of engineering groups within the major formations stationed at the front.
After the collapse of the monarchy, the Trento Engineer Directorate ceased its activities permanently in November 1918.

 

Verzeichnis der Geniedirektoren in Trient/ Directory of engineering directors in Trento:

1861-1863  Major Alfred Becher von Beckenheim (1822-1893)
1863 -1866  Major Johann Wolter von Eckwehr (1824-1900)
1866 -1867  Major Josef von Leard (1824-1897)
1867 -1868  Major Heinrich von Keil (1829-1911)
1868-1869  Hauptmann Eduard Pessiack (1833-1882)
1869-1870  Hauptmann  Theodor Lott (1834-1912)
1870-1871  Hauptmann  Ferdinand Primavesi (1837-1906)
1871-1872  Hauptmann  Gustav Turetschek (1838-1886)
1872-1875 Hauptmann   Joseph Rozner v. Roseneck (1832-?)
1875-1876  Major Oskar Meiss von Teufen (1830-1885)
1876-1878  Major Ludwig Schrimpf (1834-1879)
1878-1881  Major Josef Schmidt (1835-1897)
1881-1882  Major Mathaeus von Cerva (1835-1888)
1882-1890  Major Friedrich von Ettmayer (1839-1921)
1890-1893  Major Elias Divjak (1848-1894)
1893-1894  Oberstleutnant Albin Juda (1848-1903)
1894-1896  Major Franz Pidoll von Quintenbach (1853-1922)
1896-1899 Major Franz Meduna von Riedburg (1853-1908)
1899-1903  Oberst Othmar Streichert (1853-1926)
1903-1904  Oberst Alexander Blenesi (1856-1937)
1904-1905  Oberst Wenzel Tertain (1857-?)
1905-1908  Oberst Oskar Guseck von Glankirchen (1860-1939)
1908-1911  Oberst Ernst Friedl (1862-1938)
1911-1914  Oberst Anton Schiesser (1862-1926)
1914-1915 Generalmajor Franz von Steinhart (1865-1949)
1915-1916 Major Karl Heppner (1875-1968)
1916-1917 Major Desiderius Buday (1883-?)
1917 (Januar-Juli)  Oberst Karl Schwandl (1869-?)
1917-1918  Oberstleutnant Ernst Gaudi (1874-)

 

 

 

 

 

 

 

 

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