Friedrich Ritter Ettmayer von Adelsburg

*11.11.1839 Lemberg (heute Lwiw) – †27.10.1921 Gries b. Bozen

Friedrich Ettmayer von Adelsburg war neben Daniel von Salis-Soglio und Julius Vogl einer der habsburgischen Militäringenieure, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts maßgeblichen Einfluss auf die Planung und den Bau der Befestigungsanlagen in Tirol hatten. Er war an den Befestigungsarbeiten in den 1860er Jahren beteiligt, arbeitete mit Salis-Soglio an der Ausarbeitung der Verteidigungspläne für Nordtirol in den 1870er Jahren und koordinierte dann 15 Jahre lang – eine für einen Genieoffizier außergewöhnlich lange Zeit – den Bau der ersten Generation gepanzerter Befestigungen in der Region. In den 1880er und 1890er Jahren war er ein enger Mitarbeiter von Julius Vogl, mit dem er sich bei der Lösung technischer Probleme im Zusammenhang mit dem Entwurf der neuen Gebirgsforts, der Panzerungen und schließlich ihrer Beleuchtungsanlagen auseinandersetzte.
Aufgrund seiner technischen Kompetenz und seiner fundierten Kenntnisse des Landes Tirol und seiner Befestigungsanlagen genoss er nicht nur bei seinen Vorgesetzten, sondern auch bei seinen unterstellten Offizieren großes Ansehen, wie dieser Auszug aus den Memoiren von Karl von Novottny belegt:

«Mein neuer Chef war der Oberst des Geniestabes Ettmayer von Adelsburg, ein hochgebildeter, ausgezeichneter Genieoffizier, welcher 1859 aus der Akademie ausgemustert worden war und einen grossen Teil seiner Dienstzeit in Tirol verbrachte. Schon in den 60er Jahren war er beim Baue der Befestigungen von Lardaro beschäftigt. Er kannte in Tirol jeden Fußsteig des Grenzgebietes, er kannte aber auch infolge seines jahrelangen Aufenthaltes in Tirol die Leute gründlich, wozu seine besondere Menschenkenntnis wesentlich beitrug. Selbstverständlich war er auch mit dem Befestigungswesen Tirol ausserordentlich vertraut und kannte er nicht nur jedes Objekt, sondern auch dessen historische Entwicklungsgeschichte»

1859 Leutnant
1866 Oberleutnant
1871 Hauptmann
1882 Major
1886 Oberstleutnant
1890 Oberst
1895 Generalmajor
1902 Feldmarschalleutnant

Friedrich Ettmayer wurde als Sohn eines k.k. Hofrats geboren und besuchte von 1853 bis 1859 die Ingenieurakademie in Klosterbruck bei Znaim (heute Znojmo) in Mähren. Nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums erhielt er am 14. April 1859 den Rang eines Leutnants im 10. Genieregiment. Während des Konflikts mit Piemont 1859 nahm er an den Verteidigungsarbeiten und Rüstungsmaßnahmen der Festung Legnago teil. Anfang 1860 wurde er der Befestigungs-Bau-Direction in Trient zugewiesen, um sich um die Befestigungsarbeiten in Nago und Lardaro zu kümmern. Er war Bauleiter für das Werk Danzolino und der Straßensperre Buco di Vela. Nach seiner Versetzung zum 1. Genieregiment im Jahr 1863 diente er ab Mai 1866 in der Befestigungs-Bau-Direction in Wien, wo er an der Planung und Umsetzung der Schanzen XXIII und XXIV des Brückenkopfes Floridsdorf mitwirkte. Während des Krieges gegen Preußen war er bei den Arbeiten zur Verteidigungsinstandsetzung der Festung Josephstadt eingesetzt.

Nach dem Krieg war Ettmayer in der Geniedirektion von Olmütz (1867-1869), in der Befestigungs-Bau-Direction und dann in der Geniedirektion von Karlsburg (1869-1870), in der Befestigungs-Bau-Direction von Enns und schließlich in der Befestigungs-Bau-Direction von Trient tätig. Hier arbeitete er mit Daniel von Salis-Soglio an der Ausarbeitung der Befestigungsprojekte für Nordtirol: Aachenthal, Innsbruck, Kufstein, Scharnitz, Leutasch und Imst-Karress (1870-1871). Im September 1872 wurde er zum Dienst an der Militärakademie in Wiener Neustadt berufen, wo er bis Oktober des folgenden Jahres den Lehrstuhl für Befestigungswesen innehatte. Auch nach seiner Versetzung in die II. Sektion des Technischen-Militärcomitee 1874 übernahm Ettmayer die Lehrtätigkeit für Festungsbau an der Kriegsschule (1875-1877), für Pionierdienst im Generalstabsoffizierslehrgang der Landwehr (1877-1879) und für Festungsbau im Höhere Geniekurs (1879-1881). 1877 arbeitete er außerdem an einem Projekt zur Feldbefestigung der Festung Przemysl.

1882 wurde er im Juli zum Geniedirektor in Trient ernannt. In dieser Funktion betreute er die Befestigungsprojekte und die Militärbaustellen in Judikarien (Werk Corno), im Valsugana (Sperre Tenna), in der Festung Trient (Batterie Casara, Batterie Martignano, Batterie Maranza, Werk S. Rocco) und in den östlichen Tälern Tirols (Sextental, Landro).  Außerdem nahm er an den Schiessversuchen in der Franzensfeste (1882), den Versuchen mit den elektrischen Gebirgsbeleuchtungsapparaten in Tenna (1886) und den Sprengversuchen in der Sperre Rocchetta (1890) teil. 1883 erhielt er die allerhöchste Belohnung für die Rettungsmaßnahmen bei der Überschwemmung in Tirol und 1891 den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse in Anerkennung hervorragender technischer Leistungen.
Am 16. März 1891 wurde Ettmayer zum Genie-Chef und Befestigungs-Bau-Direktor des 14. Armeekorps in Innsbruck ernannt und trat damit die Nachfolge von Julius Vogl an, der inzwischen zum Präsidenten des Technischen-Militärcomitee ernannt worden war. Bis zu seiner Pensionierung aus Gesundheitsgründen im Jahr 1897 koordinierte Ettmayer gemeinsam mit den Genie-Direktionen von Trient und Brixen die Projekte und Arbeiten zur Sperre Paneveggio (Dossaccio und Al Buso), Werk Romagnano (Festung Trient) und Werk Plätzwiese.

Friedrich Ettmayer von Adelsburg starb am 27. Oktober 1921 in Gries bei Bozen, wo er auch beerdigt wurde. Sein Grab ist nicht mehr erhalten.

English summary:
Friedrich Ettmayer von Adelsburg was one of the most influential military engineers in Tyrol in the 19th century and, alongside Daniel von Salis-Soglio and Julius Vogl, played a key role in the construction and development of the region’s fortifications. Over several decades, he was involved in the planning, construction, and modernization of defensive works and for an unusually long period coordinated the building of the first generation of armored fortresses. Owing to his technical expertise, detailed knowledge of the region, and keen understanding of people, he was held in high esteem by both superiors and subordinates.

After completing his education at the Engineering Academy in Klosterbruck, Ettmayer entered the engineer corps as a lieutenant in 1859 and early on gained practical experience in fortification works in Tyrol, including at Nago, Lardaro, and Trient. In the 1860s and early 1870s, he took part in numerous construction and planning projects at various garrisons of the Habsburg Monarchy, including Vienna, Josephstadt, and Olmütz. Together with Salis-Soglio, he developed the defensive plans for North Tyrol.

From 1872 onward, Ettmayer also served as an instructor in fortification engineering at the Military Academy and the War School in Vienna. In 1882 he was appointed director of engineers in Trient, where he supervised major fortress projects in Tyrol and participated in technical trials involving armor, lighting systems, and demolition techniques. In 1891 he succeeded Julius Vogl as chief engineer of the XIV Army Corps in Innsbruck and coordinated the final major construction projects until his retirement for health reasons in 1897. He died in Gries near Bolzano; his grave no longer survives.

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